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Die kleine Seele

und ihr großes Abenteuer

Eine Parabel von

ANNA KATMORE



GENRE: Erzählendes Kinderbuch

Dies ist ein belletristisches Werk. Alle in diesem Buch erwähnten Namen, Charaktere, Orte, Marken, Organisationen, Medien und Ereignisse entstammen entweder der Fantasie der Autorin oder werden fiktiv verwendet. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen, Unternehmen, Ereignissen oder Örtlichkeiten ist rein zufällig.


Die kleine Seele und ihr großes Abenteuer


Copyright © 2017 by Anna Katmore


Umschlaggestaltung: Anna Katmore

Coverart Copyright © 2017

Alle Rechte vorbehalten


Deutsche Erstveröffentlichung: Juni 2017


Diese Publikation, einschließlich ihrer Teile ist urheberrechtlich geschützt. Sie darf ohne vorherige ausdrückliche Genehmigung der Autorin weder auszugsweise noch in Gänze in irgendeiner Form oder auf irgendeine Weise reproduziert, vervielfältigt, kopiert, aufgenommen oder in einem Datenabrufsystem gespeichert oder übertragen bzw. zum Download bereitgestellt werden. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

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Inhaltsverzeichnis


Möchtest du auf eine Reise gehen?


Die kleine Seele trifft einen Freund


Bist du müde, kleine Seele?


Über die Autorin






Für dich.


Möchtest du auf eine Reise gehen?




Es ist noch gar nicht lange her, da saß eine kleine Seele auf einer flauschigen Wolke und vertrieb sich die Zeit mit einer Partie Rutsch und Leiter. Tapp, tapp, tapp, machte es, als sie mit dem Kieselstein in ihrer Hand über die Felder hüpfte und bei der nächsten Rutsche schließlich wieder bis zum Anfang zurück musste.

„Na, spielst du heute ganz allein?“, hörte sie eine freundliche Stimme über sich und hob den Kopf. Zwei Augen, so strahlend wie Edelsteine, betrachteten sie mit der Wärme des Himmels.

„Mm-hmm“, machte die kleine Seele ein bisschen gelangweilt und nickte dazu. „Willst du mitspielen?“

Lächelnd setzte sich ihr Freund Jesus hin und nahm einen Kieselstein. Die beiden hatten auch früher schon oft miteinander gespielt. Ob er sie immer absichtlich gewinnen ließ, oder ob es wirklich nur ein Zufall war, wusste die kleine Seele nicht. Aber sie freute sich jedes Mal, wenn sie die letzte Leiter ins Ziel als Erste erreichte.

Gerade setzten die beiden ihre Kieselsteine wieder an den Start, da sah sie etwas weiter hinten, ganz am anderen Ende der Wolkendecke, eine andere kleine Seele durch ein goldenes Tor kommen. Diese wurde vom lieben Gott fest in die Arme geschlossen, wobei sie erschöpft seufzte und ihren Kopf an seine Schulter lehnte.

„Warum ist sie so müde?“, fragte die kleine Seele Jesus und machte dabei ein ernstes Gesicht. Das Tor hatte sie heute zum ersten Mal gesehen und wie man im Himmel so erschöpft sein konnte, verstand sie überhaupt nicht.

„Weil sie gerade von einer langen Reise zurückgekommen ist“, erklärte ihr Jesus, ohne dabei über seine Schulter zum Tor zu sehen. Er wusste wohl ganz genau, was hinter ihm passierte.

„Wo war sie denn so lange?“, fragte da die kleine Seele weiter.

„Sie war unten auf der Erde. Dort hat sie ein paar große Abenteuer erlebt. Willst du es mal sehen?“

„Au ja, bitte!“, rief sie und klatsche laut.

Jesus stand auf und nahm seine kleine Freundin an der Hand. Seine langen Schritte ihren viel kürzeren Beinen angepasst, führte er sie ans Ende der Wolkendecke, wo sie sich beide auf den Bauch legten und über den Rand hinuntersahen.

Der kleinen Seele stand vor Staunen plötzlich der Mund weit offen, als sie die große blaue Kugel unter sich entdeckte, mit all den vielen Seelen darauf, die jedoch nicht in den zarten Farben strahlten wie hier oben, sondern in viel festeren Körpern steckten. Sie alle redeten wild durcheinander, viele in ganz unterschiedlichen Sprachen. Manche von ihnen rannten mit Taschen in den Händen, weil sie es wohl sehr eilig hatten, andere lagen gemütlich in warmen Betten. Viele von ihnen lachten, einige sahen sehr ernst aus und wieder andere weinten sogar irgendwo ganz allein.

Verwundert drehte die kleine Seele den Kopf zur Seite und blickte ihren großen Freund mit fragenden Augen an. Dann zeigte sie mit dem Finger auf einen weinenden Menschjungen. „Warum ist er denn so traurig?“

„Das Erdenleben ist gerade etwas schwierig für ihn. Aber das gibt sich bald wieder.“

„Wie kann denn etwas schwierig sein?“ Sie kannte bisher nur das wundersame Leben hier oben in den Wolken. Dass jemand so sehr weinen mochte, ergab für sie gar keinen Sinn.

„Weil er vergessen hat, wo er herkommt.“ Jesus streichelte der kleinen Seele über das goldene Haar. „Du kannst es dir vorstellen wie eine Partie Rutsch und Leiter. Oft finden die Menschen auf der Erde eine Leiter, die sie ein Stück weiter nach oben bringt. Aber hin und wieder ist da eine Rutsche im Weg und wenn sie nicht aufpassen, dann geht es auch schnell einmal abwärts.“

Ihr kleiner Mund formte ein kreisrundes O. „Dann ist das ein Spiel?“

Jesus schmunzelte leise, ehe er antwortete: „Ja, ein Spiel. Aber sie lernen auch viel dabei. Und all diese Erfahrungen nehmen sie mit, wenn sie wieder zurück nach Hause kommen.“ Er wartete, bis seine Freundin verständnisvoll nickte und schenkte ihr dann ein ermutigendes Lächeln. „Möchtest du auch gerne mal auf so ein Abenteuer gehen?“

„Hmm“, machte die kleine Seele und kniff die Augen enger zusammen, als sie wieder hinunter zu dem Getümmel auf der Erde blickte. „Ich weiß nicht so recht. Diese Rutschen hören sich ziemlich gefährlich an. Und die Leitern… sind sie hoch? Was ist, wenn ich da nicht alleine raufklettern kann?“

Da stand Jesus auf und streckte ihr die Hand hin. Er wartete, bis die kleine Seele danach griff, zog sie dann zuerst auf die Beine und nahm sie hinterher hoch auf seinen Arm. „Dann wird jemand da sein, der dir hilft“, erklärte er ihr und sah ihr dabei fest in die Augen.

„Ja, wer denn?“, wollte sie nun gespannt wissen.

„Zwei Menschen, die dich lieb haben und immer auf dich aufpassen“, versprach Jesus. „Du wirst sie Mama und Papa nennen.“ Dann stupste er ihr mit dem Finger auf die Nase. „Und außerdem wird dich ein Engel begleiten.“

Jetzt zog sie voll Überraschung die Luft ein. Sie kannte die Engel, oder hatte sie zumindest schon oft von weitem gesehen. Es waren wunderschöne große Wesen, die in einem hellen, warmen Licht strahlten und die sich nur durch zauberhafte Klänge miteinander unterhielten. Verstehen konnte die kleine Seele ihre Sprache nicht, aber zuhören mochte sie ihnen jeden Tag.

„Er wird immer für dich da sein und dir helfen, wenn du ihn brauchst. Er wird dich halten und dir auf dem ganzen Weg gute Ratschläge geben.“

Ein wenig überkam sie da gerade doch die Furcht. Sie legte ihre Arme um den Hals ihres großen Freundes, während er sie hinüber auf die Ebene der Engel trug, und fragte: „Aber was ist, wenn ich nicht verstehen kann, was er zu mir sagt? Was ist, wenn ich auf der Erde bin und nie wieder zurück nach Hause finde?“

Sie wurde auf seinem Arm geschüttelt, als seine Brust durch ein fröhliches Lachen rumpelte. „Keine Angst, du wirst ihn schon verstehen, das verspreche ich. Vielleicht dauert es anfangs ein kleines bisschen, bis du ihn erkennen kannst, weil es auf der Welt manchmal sehr laut und hektisch ist. Aber wenn du ihn brauchst, ist er immer da. Sei einfach eine Weile ganz still, dann wirst du ihn auch hören.“

Ein Stück weit von der Engelspforte entfernt, setzte er sie wieder ab und schloss seine große Hand um ihre. Gemeinsam gingen sie den Rest des Weges, bis sie an dem großen Tor aus zart verziertem Elfenbein ankamen. Hier hielt die kleine Seele an. Sie hatte plötzlich große Angst davor, hineinzugehen. So nahe heran war sie alleine noch nie gekommen.

„Du brauchst dich nicht zu fürchten“, versicherte ihr Jesus. „Sie warten bereits auf dich. Und einer von ihnen wird sich mit dir auf die Reise machen.“ Er ließ ihre Hand los und forderte sie mit einem Schwenk seines Arms auf, alleine durch das Tor zu treten.

Doch die kleine Seele traute sich nicht. Verzagt hob sie den Kopf und schluckte schwer. „Aber woher weiß ich denn, welcher von ihnen mich begleiten will? Ich kann sie doch nicht einmal fragen.“

„Fragen brauchst du nicht. Du wirst es spüren.“ Er tippte mit dem Finger auf ihr Herz. „Hier drin.“ Dann gab er ihr einen liebevollen Schubs durch die Pforte hindurch.

Der kleinen Seele zitterten nun schon etwas die Knie. Sie allein unter all diesen großen Engeln. Wie sollte sie hier nur ihren Begleiter finden?

Unsicher und langsam ging sie ein paar Schritte weiter. Sie blickte nach allen Seiten und atmete dabei sehr schwer. Das kleine Herz pochte ihr bis zum Hals und wollte sich in ihrer Brust einfach nicht beruhigen.

Links und rechts auf dieser Ebene schwebten die Engel wenige Zentimeter über den Wolken dahin. Sie sahen alle sehr beschäftigt aus und obwohl sie ihr mit einem freundlichen Gesicht begegneten, blieb niemand stehen und sang zu ihr.

Fast schon wollte sie wieder umkehren und durch das Elfenbeintor hinauslaufen, da sah sie ein Stück weiter hinten einen großen wunderschönen Engel auf einer Wolke sitzen, der sie direkt anblickte. Erschrocken blieb sie stehen, denn es wurde ihr auf einmal ganz warm, tief drinnen in ihrem Herzen. Sie drehte sich um und hielt Ausschau nach Jesus, damit sie ihn fragen konnte, ob das vielleicht ihr Schutzengel sein könnte. Aber Jesus wartete immer noch hinten an der Pforte und konnte sie von hier aus nicht hören.

Da fasste die kleine Seele all ihren Mut zusammen und macht einen Schritt vorwärts, auf den Engel zu. Sie setzte einen Fuß vor den anderen, ganz langsam, und spürte dabei, wie das Gefühl in ihrer Brust immer heißer wurde. Ein Schritt noch, dachte sie. Und noch einer. Ich bin mutig. Ich kann das. Gleich bin ich da.

Und je öfter sie sich das sagte, umso schneller wurden ihre Schritte, bis auch der Engel ganz plötzlich aufstand und die letzten paar Meter auf sie zukam. Er sank vor ihr auf die Knie und legte ihr sanft die Hand auf die Wange. Das kribbelte und kitzelte auf der Haut und die kleine Seele musste lachen. In diesem Moment lächelte auch der große Engel, der nun gar nicht mehr soo groß aussah, wie er da so vor ihr kniete. Er nickte ihr einmal zu und da wusste sie es. Ihr Begleiter hatte sie gefunden. Und auch wenn sie die Sprache selber nicht sprechen konnte, so verstand sie jeden einzelnen seiner wunderschönen Klänge in ihrem Herzen.

Voll Freude, die gerade wie ein Ballon in ihr drinnen platzen wollte, rannte sie zurück zur Pforte und sprang in die Arme von Jesus, der diese schon weit für sie ausgebreitet hielt. „Du hattest Recht!“, rief sie begeistert. „Ich musste ihn gar nicht fragen. Er versteht mich auch so! Und ich glaube, ein bisschen verstehe ich ihn auch.“

„Na siehst du? Was habe ich dir gesagt?“ Ihr großer Freund hielt sie fest an sich gedrückt und trug sie zurück zu dem goldenen Tor, das auf die Erde führte. „Und? Bist du nun bereit für dein Abenteuer?“

Neugierig darauf, was sie da unten alles erleben würde, war die kleine Seele ja schon. Aber gerade bekam sie es doch wieder ein bisschen mit der Angst zu tun. „Wie lange werde ich denn dort unten bleiben müssen?“

„Nur so lange du möchtest“, versprach Jesus. „Oft ist es sehr spannend in der Welt, dann bleiben die Menschen etwas länger. Aber manchmal bekommen die kleinen Seelen auch Heimweh und kehren schon früher zurück nach Hause. Nur eines musst du wissen: die Zeit auf der Erde vergeht etwas langsamer als hier bei uns im Himmel.“

Schmale Sorgenfalten legten sich auf die Stirn der kleinen Seele. „Wie viel langsamer denn?“

„Hmm“, machte Jesus und rieb sich das Kinn. Dann gingen seine Augen freudig auf, als er eine Idee hatte. „Komm, ich zeig’s dir.“ Er ging los und holte das Rutsch und Leiter Spiel, das sie vorhin auf der Wolke liegen gelassen hatten. Damit setzte er sich hin und krümmte den Finger, damit auch die kleine Seele wieder gegenüber Platz nahm. „Lass uns spielen und in der Zwischenzweit beobachtest du einfach das Tor, abgemacht?“

„Na gut. Aber nur wenn du dabei nicht schummelst“, ermahnte ihn die kleine Seele mit ihrer kindlichen Stimme und ausgestrecktem Finger. „Schummeln darf man nämlich nicht.“

Jesus schmunzelte und schüttelte den Kopf. „Mache ich nicht, versprochen.“

Die beiden begannen wieder mit ihren Kieselsteinen über die Felder zu hüpfen. Dabei hatte die kleine Seele aber immer ein Auge auf das goldene Tor. Eine andere Seele in einem zartgrünen Schimmer machte sich gerade bereit für den Abstieg. Sie legte ihre Hand in die ihres Schutzengels und trat dann vorsichtig durch die Pforte. Als sie verschwunden war, kratzte sich die kleine Seele am Kopf. Wie lange es wohl dauern wird, bis die andere Seele wieder zurückkommt? Und würde sie dann genauso erschöpft sein wie die Seele vorhin?

„Du bist dran“, sagte Jesus und sah sie mit einem freundlichen Lächeln an.

Ach ja, genau. Sie musste ja noch weiterspielen. Mit ihrem Steinchen hüpfte sie von Feld zu Feld und landete bald auf einer Rutsche, die sie wieder weit nach unten beförderte. Jesus hingegen kletterte mühelos eine Leiter nach der anderen hoch. „Eines muss ich dir aber noch sagen, bevor du dich auf den Weg machst“, erzählte er dabei. „Wenn du durch das Tor auf die Erde gehst, wirst du für eine Zeit lang alles vergessen, was hier oben war.“

„Warum denn das?“, fragte sie entsetzt.

„Damit du aus dem Leben auf der Erde auch wirklich alles Wichtige lernen kannst.“

„Was muss ich denn lernen?“

„Ach, da gibt es viele kleine und manchmal auch etwas größere Lektionen. Aber keine Angst, du wirst sie nicht alle auf einmal kriegen, damit du auch genug Zeit hast, um sie wirklich zu verstehen.“

„Und was ist die allerwichtigste Lektion?“, wollte die kleine Seele unbedingt wissen.

Da lächelte ihr großer Freund. „Dass du in Wahrheit hier oben und nicht auf der Erde zu Hause bist und dass ich dich furchtbar lieb habe, egal was du tust.“

„Aber das weiß ich doch schon.“

Jesus streichelte ihr wieder sanft über den Kopf. „Dann wirst du auch mit keiner deiner bevorstehenden Lektionen Schwierigkeiten haben.“ Er war wieder dran mit Würfeln und wanderte die letzte Leiter hoch, wo er jedoch wartete, bis auch die kleine Seele ihre Leitern gefunden und bis ganz nach oben geklettert war. Beide standen sie nun vor dem Ziel.

„Schau mal“, sagte er da leise und nickte über seine Schulter.

Sie folgte seinem Blick und stellte mit Erstaunen fest, dass die zartgrüne Seele gerade wieder durch die Pforte kam. Ihr Schutzengel war immer noch bei ihr und der liebe Gott empfing sie mit weit ausgebreiteten Armen. Für einen kurzen Moment sahen die Augen der heimkehrenden Seele sehr alt aus. Sie hatte wohl viele Erfahrungen gesammelt. Doch nach einem tiefen Seufzen war all die Erschöpfung abgefallen und im nächsten Moment lief sie vergnügt wie an jedem anderen Tag hinüber zu ihren Freunden und spielte weiter mit ihnen in den Wolken.

„Das war ja gar nicht lang!“, rief da die kleine Seele erstaunt.

„Nein, war es nicht. Zumindest nicht für uns. Auf der Erde aber schon“, gab Jesus zur Antwort. „Dort hat sie siebenundachtzig Jahre verbracht.“

Nun sackte ihr aber wirklich das Kinn nach unten.

„Wenn es dir also jemals zu lange auf deiner Reise wird“, fuhr er fort, „dann denk einfach daran, dass es in Wirklichkeit nur so lange dauert, wie einmal Rutsch und Leiter spielen.“

„Mm-hmm.“ Die kleine Seele nickte und nahm sich fest vor, das auf gar keinen Fall zu vergessen.

Jesus griff sich beide Kieselsteinchen und führte sie gemeinsam über die Ziellinie. „Siehst du? Dann brauchst du jetzt auch keine Angst mehr zu haben.“

Hatte sie auch nicht. Na ja, zumindest nicht mehr ganz so viel. Aber eine Sache machte ihr doch noch ein wenig Kopfzerbrechen. Die kleine Seele zog ihre Beine an, schlang ihre Arme darum, und murmelte: „Wenn die Zeit dort unten so langsam vergeht, dann werde ich doch bestimmt meine Freunde hier oben ganz schrecklich vermissen.“ Dass sie ihren Schutzengel bei sich haben würde, war ihr zwar klar, aber vorhin hatte es nicht so ausgesehen, als ob die Menschen sehr viel mit ihren Helfern spielen würden. „Wie soll ich das denn so lange aushalten, ganz allein?“

Wie die Mondsichel am Abendhimmel krümmte sich der Mund von Jesus erneut zu einem Lächeln und er legte ihr sanft seine Hand über die kleinen Finger. „Mit wem spielst du denn sonst immer Rutsch und Leiter?“

Die kleine Seele zeigte auf ihre Freundin, die weiter drüben gerade versuchte, eine Burg aus Wolken zu bauen.

„Na dann geh doch einfach zu ihr rüber und frag sie, ob sie vielleicht mitkommen möchte“, schlug Jesus vor.

„Ach, geht das denn auch?“, rief sie da freudestrahlend und sprang begeistert auf die Beine. Ihr langes Kleidchen wehte hinter ihr, als sie, so schnell sie nur konnte, zu ihrer Freundin lief. Aus ihrem Mund sprudelten nur so die Worte, denn sie musste ihr ja alles über das bevorstehende Abenteuer erzählen. Es dauerte auch gar nicht lange, da war ihre kleine Freundin so begeistert von der Idee, dass sie zu Jesus kam und ihn bat, mitkommen zu dürfen.

Jesus nickte und nahm sie auf den Arm. Die kleine Seele wusste schon, wohin er gleich mit ihrer Freundin gehen würde. Auf die Ebene der Engel, damit sie genauso wie sie selbst vorhin einen Begleiter finden konnte. Oh, wie war das alles aufregend!

Inzwischen war auch ihr eigener Schutzengel zur Himmelspforte gekommen und wartete dort geduldig mit ausgebreiteten Flügeln. Die kleine Seele wollte schon zu ihm hinlaufen, doch da schlich sich noch ein letzter kleiner Zweifel in ihre Gedanken. Mit einem unsicheren Seufzen blickte sie hoch zu Jesus. „Auf der Erde sehen die Seelen ganz anders aus als hier. Wie soll ich denn meine Freundin dort unten erkennen?“

Da ging Jesus auf die Knie, sodass sich die beiden kleinen Seelen noch einmal fest in die Augen sehen konnten. Dann fragte er sie mit sanfter und liebevoller Stimme: „Weißt du noch, wie es sich vorhin angefühlt hat, als du deinen Engel gefunden hast?“

Die kleine Seele rieb sich mit der Hand über die Brust. „Mm-hmm.“

„Siehst du? Und genauso wird es auch bei euch beiden sein.“

Da zog ein Lächeln über das Gesicht der kleinen Seele, denn die Vorstellung gefiel ihr. „Dann will ich mich jetzt nicht mehr fürchten.“

Sie winkte ihren zwei Freunden noch einmal fröhlich zum Abschied, denn sie wusste ja, sie würde beide schon sehr bald wieder sehen, und nahm anschließend einen tiefen Atemzug der sie mit Mut erfüllte. Mit pochendem Herzen aber voller Vorfreude auf das große Abenteuer ging sie endlich auf ihren Schutzengel zu und legte ihre kleine Hand in seine. Schützend schloss er seine Finger fest darum und führte sie durch das goldene Tor. Die kleine Seele winkte noch einmal zurück und rief begeistert: „Bis gleich!“

Dann begab sie sich auf die spannende Reise.


Die kleine Seele trifft einen Freund




Lange ist es nun schon her, dass die kleine Seele in den Körper eines Menschen geschlüpft ist. Anfangs war es ihr ganz schön eng da drin. Alle Gespräche mit ihrem Freund Jesus hatte sie vergessen und sie wollte nichts lieber, als einfach nur raus aus diesem kleinen Gefäß. Erst versuchte sie es damit, sich buchstäblich die Seele aus dem Leib zu schreien, aber weil das alles nichts brachte und sie feststeckte, beruhigte sie sich irgendwann und gewöhnte sich am Ende an sich selbst.

Zwei liebevolle Menschen, die sie Mama und Papa nannte, gaben ihr zu essen und Sachen, die sie warm hielten. Sie reichten ihr die Hand für ihre ersten Schritte und nahmen sie auf den Arm, wann immer es im Leben holprig wurde.

Doch es kam der Tag, an dem Mama und Papa nicht mehr von morgens bis abends bei ihr waren und jeden ihrer Schritte behüteten. Sie musste an einen seltsamen Ort namens Kindergarten, wo auch noch andere kleine Menschen waren.

Sie alle spielten fröhlich draußen im Garten, nur die kleine Seele saß ängstlich auf dem Rand der Sandkiste und beobachtete das aufgeweckte Treiben aus der Ferne. Zitternd holte sie ihr Brot aus der roten Tasche, das Mama für sie eingepackt hatte, aber im Magen war ihr gerade so flau, dass sie gar keinen Bissen runterbrachte. Sie wollte lieber gar nicht mehr hier sein, wo alles so fremd und laut war, und stand auf, um nach Hause zu gehen. Doch da kamen ein paar andere Kinder, die aufgeregt schrien, als sie sich gegenseitig verfolgten, und rannten sie um.

Weinend blieb die kleine Seele auf der Wiese liegen, denn nun hatte sie nicht nur noch viel mehr Angst als zuvor, sondern auch ein aufgeschlagenes Knie. „Die Tante wird sich schon um dich kümmern“, hatte Mama in der Früh noch gesagt. Aber die Tante redete gerade mit einem anderen Mädchen und hatte gar nicht bemerkt, was passiert war.

Seit sie in diesem zierlichen Körper steckte, war die kleine Seele noch nie so traurig und einsam gewesen. Wenn sie doch nur jemanden hätte, so wie Mama und Papa, der auf all ihren Schritten auf sie aufpasste.

Und da fiel ihr plötzlich etwas ein. Hatte nicht jede Seele auf dieser Welt einen Begleiter? Jemanden, der einen beschützte? Woher der Gedanke kam, wusste sie nicht genau, aber sie war sich ganz sicher, dass ihr jemand einmal davon erzählt hatte. Und wie sie den Begleiter rufen sollte, das fühlte sie tief in ihrem Herzen.

Still musste sie sein.

So hockte sie sich also hin und presste beide Hände flach auf die Ohren. Dann kniff sie noch fest die Augen zu und sagte kein einziges Wort. Nur hinhören wollte sie, was da tief in ihr drin war.

Lange Zeit hörte sie erst einmal gar nichts. Das machte sie bald traurig und unsicher. Aufgeben wollte sie aber trotzdem noch nicht, darum flüsterte sie einmal ganz leise: „Hallo? Bist du da?“

Es dauerte noch ein paar Sekunden, dann spürte sie plötzlich einen liebevollen Arm um sich, der sie fest hielt. Sie machte die Augen auf und sah in das Gesicht eines wunderschönen Wesens, das vor Licht und Liebe nur so strahlte. Seine Lippen bewegten sich zwar nicht, aber seine Worte hörte sie nun klar und deutlich in ihr drinnen.

„Natürlich bin ich da“, versicherte ihr der leuchtende Engel. „Schon die ganze Zeit.“

Nun machte die kleine Seele große Augen, die aber bald darauf traurig wurden. „Warum hast du dann zugelassen, dass mich die anderen Kinder umgeschubst haben?“

„Ich habe versucht, dich zu warnen“, hörte sie wieder die sanfte Stimme in ihr. „Ich habe dich gebeten, noch ein bisschen sitzen zu bleiben. Dann habe ich gerufen, du sollst in die andere Richtung laufen. Aber du hast mich nicht gehört. Am Ende konnte ich dich nur noch auffangen, sodass du dir zwar das Knie aufgeschlagen hast, aber dafür nicht den Kopf.“

„Ach so ist das“, meinte die kleine Seele da. „Dann will ich ab jetzt immer zuhören, wenn du mir etwas sagst.“

„Das ist schön“, erklang die Stimme ihres Engels erneut. „Möchtest du denn jetzt auch den Spielplatz erkunden?“

Sie nickte und war dankbar, als er sie zur Rutsche und hinterher auch noch zur Schaukel begleitete. Es machte Spaß, von ihm angeschubst zu werden, immer schneller und immer höher, und da lachte die kleine Seele vor Freude. Jedes Mal, wenn sie am höchsten Punkt war, konnte sie kurz über die Büsche sehen, die den Spielplatz umgaben, und sie fragte sich, was wohl dahinter lag.

„Wenn du willst, kann ich es dir zeigen“, bot der Engel an und führte sie als nächstes zu einem Klettergerüst in der Mitte des Gartens. „Klettere nach oben und du wirst einen wunderbaren Ausblick haben.“

Das steile Holzgerüst sah aber ziemlich hoch und gefährlich aus. Die kleine Seele bekam ein Zittern in den Knien und ein flaues Gefühl im Bauch. Sie stand auf dem Boden und traute sich nicht, einen Fuß nach oben zu setzen.

„Was ist los?“, fragte der Engel. „Möchtest du nicht hochsteigen und mehr von der Welt sehen?“

„Doch“, gab die kleine Seele zu. „Aber ich habe Angst, dass ich es nicht schaffe. Was ist, wenn ich mittendrunter stecken bleibe?“

„Dann werde ich dir weiterhelfen.“

„Und was ist, wenn ich einen falschen Schritt mache und runterfalle?“

„Dann werde ich dich auffangen und du versuchst es noch einmal.“

Der strahlende Engel setzte so viel Vertrauen in sie, dass sie zwar immer noch ängstlich auf ihrer Lippe kaute, es aber trotzdem versuchen wollte. Vorsichtig legte sie beide Hände auf das Holz und stellte einen Fuß hoch. Sie drückte sich vom Boden ab und kletterte, Schritt für Schritt und Zentimeter für Zentimeter, immer weiter nach oben.

Bei der Hälfte wurde sie aber müde. Es sah aus, als käme sie niemals oben an, und so verlor sie den Mut. Ihre Hände wollten nicht mehr so fest zupacken und auch den Kopf ließ sie hängen.

„Was machst du denn?“, fragte die zarte Stimme in ihr drin mit leiser Besorgnis.

Schon fast den Tränen nahe, antwortete sie: „Ich kann nicht mehr. Es ist zu hoch.“

„Doch, das schaffst du“, hörte sie wieder. „Schau nicht nach oben, wie weit es noch ist. Schau nur nach vorn und mach einen Schritt nach dem anderen. Ich bin hier und passe auf dich auf.“

Da fühlte sie wieder seinen Arm um sich und es wurde ihr wundersam warm im ganzen Körper. Mit einer neuen Zuversicht, die sie vorher schon verloren hatte, tat sie, was der Engel vorgeschlagen hatte, und blickte nur nach vorn auf jeden Schritt den sie machte.

Der Weg war mühsam und kostete sie alle Kraft. Nur sehr langsam stieg sie immer höher. Bald aber spürte sie wieder, dass sich ihre Finger nicht mehr fest genug um das Holz schlossen. Nicht mehr lange und sie würde fallen.

Es war nur noch ein kleines Stück bis nach oben. Erschöpft streckte die kleine Seele den Arm aus, doch es reichte nicht. Wenige Zentimeter fehlten ihr noch, die sie einfach nicht mehr überwinden konnte.

„Bitte hilf mir!“, rief sie da zu ihrem Engel, den sie vor Anstrengung kaum noch sehen konnte. Aber dass er immer da war, wusste sie ja.

In diesem Moment packte jemand ihre Hand und zog sie bis ganz nach oben.

„Das hast du wunderbar gemacht“, lobte sie der stolze Engel, als er ihre Hand losließ und sie dafür in eine feste Umarmung schloss. „Und nun sieh dich um. Sieh, was du erreicht hast und genieße die neue, viel bessere Aussicht.“

Das tat sie und ihr Herz erfüllte sich dabei mit mehr Freude noch, als sie zuvor schon beim Schaukeln verspürt hatte. Dennoch war die kleine Seele nun erschöpft und setzte sich oben auf dem Klettergerüst erst einmal hin. Sie brauchte eine Weile, um wieder zu Kräften zu kommen, und dabei beobachteten sie und der Engel ein anderes Kind, das auch gerade auf das Gerüst klettern wollte.

Sein Engel schwebte daneben und feuerte den Jungen an, so wie ihr eigener es vorhin mit ihr gemacht hatte, doch er rutschte immer wieder ab. Der Junge weinte und wollte wohl einfach nicht hinhören. Wieder versuchte er, hochzuklettern, und da streckte ihm sein Engel die Hand entgegen. Doch das Kind griff nicht zu.

Das zu sehen, machte die kleine Seele traurig, und sie fragte ihren strahlenden Begleiter: „Warum nimmt der Junge denn keine Hilfe an?“

„Weil er vergessen hat, dass da jemand ist, der ihm gerne helfen möchte“, erklärte der Engel ebenso traurig. „Er hat vergessen, wie man hinhört, so wie du vorhin, als du gestürzt bist. Und nun kann er seine Hand nicht sehen.“

„Aber warum schiebt der Engel ihn denn nicht einfach von alleine hinauf?“, wollte die neugierige kleine Seele wissen.

„Weil wir das nicht können“, hörte sie wieder leise in sich drin. „Wir können euch nur unsere Hilfe anbieten. Aber annehmen müsst ihr sie selbst. Nur wenn ihr uns darum bittet, können wir euch schieben. Viele Wege sind steil und schwer, das hast du gerade selbst erlebt. Aber die, die uns in ihr Herz hineinlassen und uns zuhören, die werden es auf diesen Wegen leichter haben.“

„Aber dann soll sein Engel ihm doch einfach sagen, dass er ihn nur darum bitten muss.“

„So leicht ist das nicht. Wie soll der Engel das denn tun, wenn das Kind ihm gar nicht zuhört?“

„Hmmm“, machte da die kleine Seele und dachte lange und fest nach. Dann hob sie den Kopf und sah ihren Begleiter an. „Darf ich es dem Jungen dann sagen und ihm von seinem Engel erzählen?“

Da lachte ihr strahlender Freund und zog sie glücklich in die Arme. „Oh ja, mein liebes Kind, das darfst du.“

So legte die kleine Seele ihre Hände um den Mund und rief nach unten zum dem Jungen: „Du musst die Hand nach ihm ausstrecken, dann hilft er dir!“

Verwundert blickte das andere Kind zu ihr hoch und sah sich dann um. Es wischte sich die Tränen in den Ärmel und fragte: „Nach wem denn? Hier ist niemand!“

„Und ob da jemand ist. Dein Schutzengel. Du muss ihn nur in dein Herz reinlassen und ihn bitten, dir hoch zu helfen. Dann gibt er dir auch seine Hand.“

„Aber ich sehe niemanden!“, weinte der Junge.

Die kleine Seele atmete schwer durch. Wie sollte sie ihm das denn erklären? Sie wusste ja die richtigen Worte dafür gar nicht, sondern konnte es nur fühlen. Aber im Stich lassen wollte sie das andere Kind auf keinen Fall, also versuchte sie es einfach. „Du siehst ihn nicht, weil du dich noch nicht an ihn erinnerst. Mach die Augen zu und hör mal. Frag ihn, ob er dir hilft, auch wenn du ihn noch nicht sehen kannst. Ich kann ihn schon sehen. Und ich verspreche dir, er ist da.“

Immer noch standen dem Jungen Zweifel im Gesicht, aber nach einer Weile kniff er doch die Augen zusammen und war für eine Minute ganz, ganz still.

„Fragt er ihn jetzt?“, wandte sich die kleine Seele da aufgeregt an ihren eigenen Begleiter. „Bittet er ihn jetzt endlich um Hilfe?“

Ihr Engel schenkte ihr ein zartes Lächeln. „Du wirst es gleich sehen.“

Wieder blickte die kleine Seele nach unten zu dem Jungen und mit Freude stellte sie fest, dass er in diesem Moment den Arm weit ausstreckte und nach der Hand seines Helfers griff. Jubelnd wartete sie oben, bis auch er es ganz hinauf geschafft hatte.

Gemeinsam, und natürlich mit Hilfe ihrer freundlichen Beschützer, kletterten die beiden auf der anderen Seite wieder hinunter. Der Junge nahm die kleine Seele mit zu den anderen Kindern und stellte sie ihnen vor. Von da an hatte auch sie keine Angst mehr in den Kindergarten zu gehen, denn sie hatte nun Freunde gefunden, mit denen jeder Tag ein neues Abenteuer war.

Doch je mehr Tage vergingen, desto mehr spürte die kleine Seele, dass sie etwas vermisste. Sie wusste nicht was das sein konnte, nur fühlte sie immer wieder diese kleine kalte Leere in ihrer Brust, die sie so gerne ausfüllen wollte. Wenn ihr Schutzengel mit ihr sprach, war es etwas leichter, aber ganz verging es nie. Es fühlte sich ein bisschen an wie Heimweh, wenn sie mal bei Oma schlafen durfte, aber ganz dasselbe war es dann doch nicht.

„Was kann das sein?“, fragte sie eines Tages ihren Engel, als sie wieder einmal traurig war, weil ihr etwas fehlte, und sie deswegen gar nicht mehr mit den anderen Kindern fangen spielen wollte.

„Hab noch ein bisschen Geduld“, antwortete dieser. „Wonach du dich sehnst, ist schon auf dem Weg. Und wenn du es findest, dann wirst du es erkennen.“

Sie hatte schon gelernt, dass ihr Begleiter nicht immer alles direkt erzählte, obwohl ihr das manchmal viel lieber gewesen wäre. Oft sprach er in seltsamen Rätseln, aber wenn es dann so weit war, verstand sie immer, was er zuvor gemeint hatte. Vielleicht machte er es so, weil auch das zu den Regeln eines Engels gehörte. Oder vielleicht wollte er ihr auch einfach oft die Überraschung nicht verderben.

Geduldig ging die kleine Seele also jeden Tag in den Kindergarten und versuchte einfach mal eine Weile nicht auf dieses sehnliche Gefühl ganz weit in ihrem Inneren zu achten. Bis sie eines Tages beim Versteckspielen an der Sandkiste vorbei lief und dort eine andere kleine Seele sitzen sah. Die musste neu hier sein, denn sie hatte sie noch nie zuvor gesehen. Neugierig ging sie auf die andere Seele zu, beugte sich hinunter und blickte ihr direkt ins Gesicht. Das fremde Kind sah hoch und langsam formten seine schmalen Lippen ein fröhliches Lächeln. Da spürte sie plötzlich etwas in ihrer Brust drinnen platzen, das sich anfühlte, als würden gerade tausend warme Gedanken an einem Ort zusammenkommen.

Voller Freude schlang sie die Arme um die andere Seele und rief mit einem Lachen in der Stimme: „Da bist du ja endlich!“

So lange hatte sie auf ein Wiedersehen gewartet und dabei hatte sie es nicht einmal gewusst. Aber in diesem Moment erinnerte sie sich wieder! Sie sah direkt vor sich, wie oft sie mit ihrer Freundin im Himmel Rutsch und Leiter gespielt oder Türme aus flauschigen Wolken gebaut hatte. Nun hatten sich die beiden endlich auch hier gefunden und das kalte Loch in ihrem Herzen wurde ausgefüllt mit Wärme und Heiterkeit.

Jeden Tag spielten die zwei kleinen Seelen fortan miteinander, denn sie waren, wie auch damals schon, die allerbesten Freunde. Vor ihnen standen viele Abenteuer, die sie gemeinsam erleben konnten. Sie kletterten auf hohe Gerüste und schubsten sich auf der Schaukel gegenseitig so hoch an, dass sie bis über die höchste Hecke sehen konnten. Es war eine Zeit des Lachens und der Freude.

Doch immer häufiger bemerkte die kleine Seele, dass nicht alle Kinder um sie herum so glücklich waren. Manche von ihnen weinten sehr viel, waren still, oder sahen seltsam blass aus.

„Was ist mit ihnen?“, fragte sie da eines Tages ihren Engel. „Fühlen sie keine Freude?“

„Sie hatten einmal Freude. Aber das ist lange her. Nun sind sie krank und das macht sie traurig.“

Die Worte ihres Begleiters ergaben für sie keinen Sinn. „Was ist krank?“, wollte sie wissen.

„Krank ist, wenn dein Körper nicht mehr ganz so gut funktioniert. Manchmal kannst du dann nicht all die Dinge machen, die du sonst so gerne tust.“ Der Engel strich ihr übers Haar und bedachte sie mit einem einfühlsamen Blick. „Und manchmal hast du auch Schmerzen.“

„Warum ist das denn so?“

„Dafür gibt es verschiedene Gründe.“ Er nahm sie an der Hand und spazierte ein Stück mit ihr über die Wiese. „Manchmal ist es einfach so, dass die Menschen zu lange nicht hören, was wir ihnen raten, und sie einen falschen Weg gehen, auf dem sie krank werden.“

„Ohh!“, freute sich da die kleine Seele und blickte zuversichtlich zu ihrem Schutzengel hoch. „Dann kann ich gar nie krank werden, denn ich höre ja immer auf dich.“

Er drückte ihre Hand etwas fester und schenkte ihr ein Lächeln. „Das stimmt, du hörst immer zu. Und darum fällt dir auch vieles leichter, womit andere sich plagen müssen.“ Kurz nickte er hinüber zum Klettergerüst, wo wieder ein Mädchen versuchte hinaufzuklettern und die Hand ihres Unterstützers nicht einmal wahrnahm. Die kleine Seele verstand sofort, was der Engel damit sagen wollte. „Aber manchmal werden Menschen auch krank, weil sie es sich selber ausgesucht haben“, erklärte er weiter, und das konnte sie nun überhaupt nicht verstehen.

„Wer würde sich denn freiwillig aussuchen, krank zu sein?“

„Jemand, der erfahren will, wie wunderbar es ist, wenn man nicht krank ist.“

Bist du verrückt? - wollte sie ihn schon fragen. Aber sie wusste ja, dass er immer Recht hatte. Nur konnte sie die ganze Sache gerade wirklich nicht nachvollziehen. „Erklärst du mir das genauer“, bat sie ihn und hob dabei den Kopf in seine Richtung.

Der Engel suchte sich einen Platz unter den Bäumen und setzte sich mit der kleinen Seele ins Gras. „Du warst doch letzte Woche mit deiner Freundin im Schwimmbad.“

„Mm-hmm.“ Sie kicherte, als sie sich an den Spaß dort erinnerte.

Der Engel aber blieb ernst, darum hörte auch sie wieder aufmerksam zu, als er weiter sprach. „Das Wasser war nicht kalt, aber sehr warm war es auch nicht, stimmt’s?“

Die kleine Seele schüttelte den Kopf. „Nein, es war nicht warm.“

„Und dann seid ihr zu den Duschen gegangen. Was habt ihr dort gemacht?“

„Oh, das war lustig“, erklärte ihm nun die kleine Seele aufgeregt. „Wir haben uns eiskalt abgeduscht, so lange, bis wir fast schon Eiszapfen in der Nase bekommen hätten. Dann sind wir losgelaufen und ins Becken gesprungen.“

„Und wie war das Wasser dann?“

„Es war so schön warm!“, schwärmte sie und konnte direkt noch einmal an ihrem Körper spüren, wie angenehm es war, halb erfroren ins plötzlich fast heiße Wasser zu tauchen.

„Siehst du? Und wenn sich nun die Seelen vor ihrer Reise dazu entschließen, auf der Erde krank zu sein, dann deswegen, weil es hinterher umso schöner ist, wieder gesund in den warmen Himmel zurückzukommen. Sobald sie einmal gespürt haben, wie es ist, wenn einem etwas wehtut, schätzen sie die Zeit danach umso mehr.“

„Aha“, sagte die kleine Seele, legte sich auf den Bauch und stütze ihr Kinn in die Hände, während sie darüber nachdachte und dabei die kranken Kinder beobachtete. „Wenn ich jetzt also auch krank wäre, dann wäre der Himmel danach so warm wie das Wasser im Schwimmbecken, meinst du?“ Sie fand die Vorstellung sehr interessant.

„Ja, genau so ist es.“ Er wartete eine Weile und lies der kleinen Seele Zeit, über alles nachzudenken. Dann legte er ihr sanft die Hand auf den Kopf und fragte sie: „Möchtest du es vielleicht einmal ausprobieren?“

Noch vor wenigen Minuten hätte sie sich nichts Schlimmeres vorstellen können. Aber jetzt kam es ihr plötzlich gar nicht mehr so schrecklich vor. Sie richtete sich auf und kniete mit erwartungsvollem Blick vor ihrem Engel. „Mm-hmm. Aber nur, wenn du die ganze Zeit bei mir bleibst und mich festhältst, wenn ich weinen muss.“

Nun lächelte er stolz auf seinen mutigen kleinen Schützling herab. „Versprochen.“


Bist du müde, kleine Seele?




„Nimm dir noch ein paar Tage Zeit und genieße sie mit deiner Freundin und deiner Familie“, schlug der Engel der kleinen Seele vor. „Und wenn du dann bereit bist, das Kranksein einmal auszuprobieren, dann gehen wir beide raus zum Spielen.“

„Ist gut“, stimmte sie zu und erfreute sich an jeder Minute, die sie hatte. Als sie dann aber so neugierig auf das war, was vor ihr lag, und sie sich immer öfter den Himmel so richtig warm vorstellte, ging sie zu ihrem Begleiter und teilte ihm mit: „Ich bin so weit.“

Liebevoll nickt er ihr zu. „Hol dir noch deinen dicken Mantel und dann können wir los.“

Wenig später machten sich die beiden gemeinsam auf zum Spielplatz. Sie spielten ein wenig Verstecken und Fangen, und als es der kleinen Seele dabei ganz schön heiß wurde und sie zu schwitzen begann, zog sie den Mantel aus und warf ihn in den Schnee. Der Engel sah ihr dabei zu, und obwohl er wusste, dass es für ihre Gesundheit nicht gut sein würde, warnte er sie diesmal nicht.

Sie spielten lange Zeit weiter und liefen irgendwann runter zum Bach. Etwas funkelte im seichten Wasser, das die kleine Seele unbedingt genauer betrachten wollte. Sie schob sich die Ärmel des Pullovers hoch und wollte gerade hineingreifen, da nahm der Engel sanft ihre Hand. „Bist du dir immer noch sicher, dass du wirklich krank werden möchtest? Denn wenn du es dir anders überlegt hast, können wir jetzt auch nach Hause gehen.“

„Nein, ist schon gut“, meinte sie nur. „Es macht gerade so viel Spaß. Ich mag noch nicht nach Hause.“

„In Ordnung“, stimmte der Engel zu und ließ sie wieder los, damit sie nach dem funkelnden Ding im Bach greifen konnte. Doch dabei rutschte sie auf dem schneebedeckten Ufer aus und schlitterte ins Wasser. Es war nicht tief, ihr konnte nichts passieren. Aber als ihr der Engel heraushalf, zitterte sie am ganzen Körper und es war ihr arg kalt.

„Brrrr“, machte sie und zog den Kopf ein. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. „Jetzt mag ich aber nicht mehr spielen.“

„Dann hol deinen Mantel und wir gehen nach Hause in die warme Stube“, meinte ihr Begleiter.

Rasch lief sie los und warf sich den kuscheligen Mantel über, aber durch die klatschnassen Sachen konnte der sie nicht mehr aufwärmen. Bibbernd vor Kälte stapfte sie neben dem Engel her, bis sie daheim ankamen.

Die Mutter war alles andere als begeistert, als sie die kleine Seele so durchnässt hereinkommen sah. Sofort half sie ihr beim Ausziehen und steckte sie in die heiße Badewanne. Das tat zwar gut, aber gegen den Husten, den sie inzwischen bekommen hatte, half das auch nichts mehr.

An diesem Abend lag die kleine Seele in ihrem Bett und spürte zum ersten Mal, wie unangenehm es war, wenn man Schnupfen und Kopfweh hatte. Schlafen konnte sie auch nicht, weil sie noch dazu hohes Fieber bekam und ihr beim Husten immer ganz fürchterlich die Brust wehtat.

Eigentlich wollte sie ganz schnell wieder mit dem Kranksein aufhören, aber statt besser wurde es über die nächsten Tage noch schlimmer. Das Fieber kletterte immer weiter nach oben. Beim Atmen hörte man ein Rasseln in ihrer Brust. Und ständig war sie erschöpft. Selbst wenn sie wollte, sie hätte nicht einmal aus dem Bett aufstehen und spielen können.

Bald begann sie zu weinen. Alles tat ihr weh und das viele Liegen und Schlafen war gar nicht mehr lustig. Ihre Freundin durfte auch immer nur ganz kurz zu Besuch kommen, weil der Arzt gesagt hatte, eine Lungenentzündung sei ansteckend. Von Tag zu Tag wurde sie trauriger und weinte mehr. Und weil sie so viel schluchzte, konnte sie auch ihren Engel gar nicht mehr hören.

War er überhaupt noch da? Er hatte versprochen, er würde sie halten, wenn sie traurig war, aber sie hatte ihn nun schon seit Tagen nicht mehr gesehen. Warum hatte er sie denn angelogen? Und wo war er nur hingegangen? So ganz allein war es nicht schön auf dieser Welt und sie weinte immer lauter.

Bis ihr plötzlich, nach vielen Wochen des Krankseins etwas einfiel. Du musst still sein, wenn du deinen Engel hören willst, erinnerte sie sich wieder. Und weil sie ihren Engel so sehr vermisste, hörte sie an diesem Tag auf zu weinen, presste die Hände auf die Ohren und die Augen ganz fest zu, und hörte einmal tief in ihr Innerstes. Sie sprach kein Wort mehr zu ihren Eltern, ja machte nicht einmal einen Mucks. Nur das Rasseln beim Atmen war noch zu hören.

„Bist du noch da?“, fragte sie dann ganz vorsichtig in sich hinein.

„Natürlich“, hörte sie prompt die zarte Antwort.

Da ging ihr vor Freude das Herz auf und sie rief lauter zu ihm: „Aber wo warst du denn nur die ganze Zeit? Ich hätte dich so sehr gebraucht und du warst einfach nicht da, wie du es versprochen hattest.“

„Oh nein, da irrst du dich, meine Kleine.“ In seiner sanften Stimme lag Erleichterung, die sie gerade nicht richtig verstehen konnte. Aber vielleicht freute er sich ja auch einfach nur, dass sie wieder miteinander redeten. „Ich war die ganze Zeit hier bei dir. Ich habe dich gehalten und dich gestreichelt. Ich habe mit dir geredet und dir gesagt, wie wichtig es ist, die Medizin zu nehmen, als du sie ausgespuckt hast, weil sie dir nicht geschmeckt hat. Und ich habe dich nachts mit meinen Flügeln zugedeckt, damit du gut schlafen kannst und nicht frierst.“

„Aber warum habe ich dich dann nicht mehr gespürt oder gehört?“

„Weil die Menschen sehr viel mit sich selber zu tun haben, wenn sie krank sind. Da vergessen sie oft, dass es auch noch etwas Anderes, etwas Schönes gibt. Hast du mich vergessen, kleine Seele?“

„Ja“, musste sie da gestehen. „Am Anfang habe ich dich wirklich vergessen. Und als ich mich dann erinnert habe, hat es noch ein bisschen gedauert, bis ich wieder wusste, wie ich zu dir komme. Das tut mir leid.“

Der Engel nahm sie sanft in die Arme und schlang seine großen, weiten Flügel um sie. „Das muss es nicht. Du hast ja wieder zu mir gefunden. Das ist das Einzige, was zählt. Und nun kann ich dir auch helfen, schnell gesund zu werden, damit du recht bald schon wieder mit deiner Freundin spielen kannst.

Ja, das wäre schön, dachte die kleine Seele. Wenn sie nur nicht so schrecklich erschöpft wäre. Irgendwie mochte sie gar nicht mehr spielen. Das Kranksein war am Ende doch sehr anstrengend und eigentlich wollte sie in diesem Moment am liebsten wieder nach Hause. Ganz nach Hause. Hinauf in den großen Himmel, wo es nun schön warm und flauschig sein musste. Noch viel mehr, als bei ihrer Abreise.

Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und murmelte: „Ich bin so müde.“

Ihr Schutzengel wusste genau, wie sie sich fühlte, denn sie waren auf eine Art verbunden, die manchmal auch ohne Worte funktionierte. Sie brauchte ihm gar nicht mehr zu erklären. „Möchtest du nach Hause gehen?“, fragte er sie nur sanft.

„Mm-hmm.“

„Dann werde ich dich heimbringen, meine tapfere kleine Seele. Aber vorher gebe ich dir noch etwas Zeit, damit du dich von deinen Eltern und deiner Freundin verabschieden kannst.“

Damit war sie einverstanden, denn sie wollte wirklich nicht gehen, ohne ihnen zu erklären, warum sie nun nicht mehr auf der Erde spielen wollte.

Der Doktor schien als Erster von allen zu merken, dass sie die Welt bald verlassen würde. Er sprach sehr leise mit ihrer Mutter, die daraufhin sehr, sehr traurig wurde.

Da streckte die kleine Seele ihre Hand nach ihren Eltern aus und bat sie, sich für eine Weile zu ihr zu setzen. Sie legte ihre kleinen Arme um die beiden und schmiegte sich an sie. Dann begann sie zu erzählen: „Als der liebe Jesus mich gefragt hat, ob ich auf die Erde kommen möchte, da hat er mir gesagt, dass ich zwei ganz liebe Eltern bekommen würde. Damit hatte er Recht und ich freue mich, dass ihr mich so lieb haben konntet, wie ich auch euch lieb habe. Ihr habt mir sehr viel gezeigt und es war immer schön bei euch.“ Sie seufzte einmal schwer, denn das Fieber wurde wieder schlimmer. „Aber jetzt bin ich müde und ich möchte gerne wieder hinauf in den Himmel gehen.“

Bei diesen Worten fing die Mutter an, ganz bitterlich zu weinen, sodass der Vater seinen Arm auch um sie legen musste. „Aber wir hatten dich doch erst so kurze Zeit bei uns“, schluchzte sie. „Wenn du jetzt gehst, sind wir wieder ganz allein. Für ein sehr langes Leben. Und wir werden dich so schrecklich vermissen.“

„Ihr müsst mich nicht vermissen. Denn ich werde oben sitzen und spielen und warten, bis auch ihr wieder in den Himmel kommt.“ Bei dem Gedanken daran konnte sich die kleine Seele schon ein wenig freuen, und ihr fiel auch wieder ein, was sie damals beobachtet hatte. „So lang ist das gar nicht, wisst ihr?“, erklärte sie den beiden. „In Wahrheit ist es nämlich nur so lang, wie es dauert, einmal Rutsch und Leiter zu spielen.“

Viel konnte sie ihre Eltern damit nicht trösten, ein bisschen aber schon. Und den Rest würden schon die Engel übernehmen, da war sie sich ganz sicher.

Nun aber war es an der Zeit, sich auch von ihrer Freundin zu verabschieden. „Ich gehe jetzt nach Hause“, sagte die kleine Seele.

„Mm-hmm“, machte ihre Freundin da und nickte. „Ich bleibe noch ein bisschen. Es ist gerade so schön hier.“

Das verstand die kleine Seele. Wenn sie nur nicht so müde wäre, würde sie bestimmt auch noch länger bleiben wollen. „Dann warte ich oben auf dich, bis du kommst und wir wieder gemeinsam Wolkentürme bauen können.“

Die beiden lächelten sich noch einmal zu, dann schloss die kleine Seele ihre Eltern ein letztes Mal fest in die Arme und schließlich legte sie ihre kleine Hand in die ihres Schutzengels. „Jetzt können wir gehen.“

Das strahlende, wunderschöne Lichtwesen breitete seine Flügel aus und trug die kleine Seele hoch in die Luft, bis ganz nach oben in den Himmel. Dort landeten sie sanft vor der goldenen Pforte, deren große leuchtende Schwingtüren so weit aufgingen, dass die beiden Hand in Hand hindurchschreiten konnten.

Sofort fühlte die kleine Seele die Wärme des Himmels in sie hineinströmen, die nun noch viel stärker und schöner war als jemals zuvor. Gleich hinter der Pforte wartete auch bereits ihr großer Freund Jesus auf sie und nahm sie fest in die Arme. Einmal seufzte sie noch tief, dann fiel die ganze Anstrengung und Müdigkeit, die sie in den letzten Wochen ihres Lebens ertragen musste, von ihr ab und sie begann laut zu lachen.

„Ich bin wieder zu Hause!“, rief sie Jesus ins Gesicht.

„Ja, das bist du“, antwortete er und freute sich mit ihr. „Und sieh nur einer an, was für ein großes Stück du doch gewachsen bist! Hat dir denn dein Abenteuer auch Spaß gemacht?“

„Und wie!“, platzte es aus der kleinen Seele heraus. Wie ein Wasserfall sprudelten die Worte nur so aus ihrem Mund, als sie ihm alles vom Kindergarten, vom ersten Sturz, dem schwierigen Klettern, dem Kennenlernen ihres Schutzengels und dem ersten Treffen mit ihrer besten Freundin erzählte.

Aufmerksam hörte Jesus zu. Und erst, als sie an der Stelle angekommen war, als ihr braver Schutzengel sie zurückgebracht hatte, fragte er sie: „Möchtest du denn noch mal auf solch eine Reise gehen?“

„Ja, sehr gerne!“ Die kleine Seele strahlte vor Begeisterung und sah nun auch freudig zu ihrem Schutzengel hoch, denn sie hoffte, dass auch er sie dann wieder begleiten konnte. „Aber nicht gleich. Erst möchte ich noch auf meine Freundin warten und dann mit ihr hier oben wieder Türme und Burgen bauen.“

Jesus nickt und führt sie von der Pforte weg, hinüber, wo sie vor nicht allzu langer Zeit eine Partie Rutsch und Leiter miteinander gespielt hatten. Das Brett lag immer noch auf der Wolke und sogar die Kieselsteinchen lagen noch an genau der gleichen Stelle. „Hast du Lust?“, fragte er sie und nickte zum Spiel.

„Mm-hmm!“, machte die kleine Seele, blieb aber stehen und drehte sich nach ihrem Schutzengel um. „Kannst du auch noch eine Runde mitspielen, bevor du wieder zurück zu deinen Freunden musst?“

Obwohl sich die Lippen des Engels nicht bewegten, hörte sie sein fröhliches Lachen in ihr drin, als er sich mit den beiden auf die Wolke setzte und einen Kieselstein nahm.

Sie hatten ihre Steinchen noch nicht einmal ins Ziel gebracht, da öffnete sich die Himmelspforte abermals und hereinstürmte eine kleine Seele, die ein sehr langes Leben hinter sich hatte. Nach einer erleichternden Umarmung des lieben Gottes, kam sie herübergelaufen und fiel unserer keinen Seele freudestrahlend um den Hals. „Ich muss dir so viel erzählen!“, rief sie noch immer ganz aufgeregt.

Auf diese spannende Geschichte freute sich die kleine Seele schon sehr und sprang wild mit ihrer Freundin im Kreis „Wollen wir währenddessen einen Turm bauen?“, schlug sie vor und warf einen Blick hinüber, wo sie zuletzt gespielt hatten.

Die beiden sausten los und wollten daraus auch noch ein Wettrennen machen, doch da bremste sich die kleine Seele noch einmal ein und kam zurück. Dankbar schlang sie die Arme um ihren Schutzengel und sang von ihrem Herzen direkt in seins. Er drückte sie ebenfalls, breitete liebevoll seine Flügel um sie und verabschiedete sich dann mit einem warmen Lächeln.

„Bis zum nächsten Mal, meine tapfere kleine Seele“, hörte sie ihn ganz tief in ihr drin. Dann winkte sie ihm und dem lieben Jesus noch einmal zum Abschied, ließ die beiden mit ihrem Rutsch und Leiter Spiel allein und rannte hinüber zu ihrer Freundin.

Nun war die Zeit, um fröhlich zu sein und Kräfte zu sammeln, denn das nächste Abenteuer kam bestimmt…



- ENDE -
Oder vielleicht doch erst der Anfang der Reise?


Ein zauberhafter Jugendroman von Anna Katmore



Märchensommer


Liebe stand nicht auf ihrem Plan … und ebenso wenig auf seinem.


Jona Montiniere sitzt tief in der Klemme. Genauer gesagt sitzt sie in Handschellen vor dem Jugendrichter und das nur wegen eines dämlichen Sweaters.


Nach zwölf Jahren in einem Jugendheim soll sie nun „zur Strafe“ zu ihrer todkranken Mutter zurückkehren und Zwangsarbeit in den Weinbergen einer ihr unbekannten Tante leisten.


Ja genau …


Die smarte Siebzehnjährige ist fest entschlossen, bei der erstbesten Gelegenheit das Weite zu suchen – bis sie auf Julian trifft, den Pfleger ihrer Mutter. Ebenso provozierend wie charmant bricht er unaufhaltsam durch ihre harte Schale. Jedoch hat Julian auch eine verborgene Seite. Ein Geheimnis, bei dem es Jona die kleinen Härchen im Nacken aufstellt…



ÜBER DIR AUTORIN



ANNA KATMORE liebt Erdbeermilchshakes, den Duft von frisch geschnittenem Gras, und alles, wo Disney draufsteht. Auf Bahnsteigen hält sie prinzipiell Ausschau nach dem Gleis 9 ¾ und ihr eigener Zauberstab ist der abgebrochene Zweig eines Apfelbaums.


Die kleine Seele war ihr erster Ausflug ins Reich der Kinderbücher, denn es war ihr schon seit Längerem ein Bedürfnis, Menschen die Idee eines liebevollen Begleiters nahezubringen.


Am liebsten schreibt sie jedoch Jugendromane, denn dabei kann sie in Welten eintauchen, die bis obenhin mit wundersamen Abenteuern und süßer Romantik vollgepackt sind. Und wenn das gerade mal nicht funktioniert, tüftelt sie weiter an einer Möglichkeit, wie sie auf dem Hintern einen Regenbogen hinunterrutschen könnte.


Besucht Anna auf www.annakatmore.com

oder kommt und sagt Hi auf Facebook: www.facebook.com/authorannakatmore


GROVER BEACH TEAM:

Teamwechsel

Ryan Hunter

Katastrophe mit Kirschgeschmack

Verknallt hoch zwei

Die Sache mit Susan Miller


VERNASCH MICH:

Stealing Three Kisses

Was sich neckt, das liebt sich… meistens


EINE ZAUBERHAFTE REISE:

Herzklopfen in Nimmerland

Die Rache des Pan


*

Märchensommer



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